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Die Auslandspresse und ihr Verein

Seit 113 Jahren VAP: Deutschland im Spiegel der Auslandskorrespondenten Der Verein der Ausländischen Presse (VAP) ist die älteste Journalistenorganisation Deutschlands und eine der ältesten der Welt. Gegründet wurde der VAP 1906 – von einem meiner Vorgänger, dem damaligen Deutschland-Korrespondenten "meiner" Zeitung in Wien.

Weit mehr als ein ganzes Jahrhundert lang beobachten Korrespondenten Land und Leute. Viele Tausend ausländische Journalisten haben seit 1906 Deutschland erlebt, in Hunderttausenden Beiträgen beschrieben und damit das Deutschlandbild in der Welt mitgeprägt.

34 Mitglieder waren es bei der Gründung im Jahr 1906. Derzeit zählt der Verein der Ausländischen Presse an die 450 Deutschland-Korrespondenten aus rund sechzig Ländern. Nahezu alle in Deutschland akkreditierten ausländischen Berichterstatter sind auch Mitglied im VAP.

Gegründet von einem Wiener

Zum VAP habe ich als österreichischer Journalist ein besonderes Naheverhältnis. Nicht nur weil ich in den fünf turbulenten Jahren nach der Wende selbst Vorsitzender des Vereins war und seit 35 Jahren Mitglied bin, sondern weil auch der Gründungsvorsitzende ein Wiener Kollege war, der für "meine" Zeitung schrieb. Damals hieß sie noch Neue Freie Presse (gegründet 1848), später Die Presse. Jene Zeitung, für die ich fast drei Jahrzehnte als Redakteur und Deutschland-Korrespondent arbeitete.

Probleme mit der Berliner Polizei

Der Kollege und Vorgänger hieß Paul Goldmann, in Breslau geboren, 25-jährig Redaktionsmitglied der Neuen Freien Presse in Wien, danach Korrespondent für die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Brüssel, Paris und sogar China. 1902 ging er als Korrespondent nach Berlin, diesmal wieder für die Neue Freie Presse.

Nach vier Jahren Berlin fanden Goldmann und ein paar andere ausländische Kollegen, dass sie sich gegenüber Regierung und Behörden stärker organisieren sollten, um besser behandelt zu werden. Anlass waren offenbar Probleme mit den Berliner Polizeibehörden.

"Ergebene Mitteilung" 

In einem Schreiben, datiert vom 30. Juni 1906, zeigte Goldmann dem Auswärtigen Amt die Gründung des Vereins an.

Goldmann schrieb (in damaliger Rechtschreibung):

Ew. Hochwohlgeboren beehren wir uns, die ergebene Mitteilung von der Begründung unseres Vereins zu machen, welcher den grössten Teil der in Berlin lebenden Vertreter der ausländischen Presse umfasst. Gleichzeitig gestatten wir uns, unsere Statuten und Mitgliederliste beizufügen.

Wir bitten Ew. Hochgeboren, unseren Verein, der seine Hauptaufgabe darin sieht, den Korrespondenten ausländischer Blätter die Ausübung ihrer Berichterstatter-Tätigkeit zu erleichtern, bei der Erfüllung dieser Aufgabe gütigst fördern zu wollen.

Mit der Bitte, die Versicherung unserer verehrungsvollen Ergebenheit gütigst entgegennehmen zu wollen, Der Verein der ausländischen Presse, I.A.: Dr. Paul Goldmann, Vorsitzender

Das Schreiben erging an den Staatssekretär des Auswärtigen Amts Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff, Königgrätzerstrasse 136, Berlin.

Im Anhang folgten die 26 Paragrafen der Statuten und die Namen der 30 Mitglieder.

Stilkampf im Auswärtigen Amt

Die Antwort – im Politischen Archiv des AA nachzulesen – belegt einen Stilkampf. Der adelige Staatssekretär entwarf als Antwortschreiben an Goldmann: "Für die freundliche Mitteilung von der Gründung des 'Vereins der ausländischen Presse' danke ich Ihnen und bitte ich Sie meinen verbindlichen Dank entgegennehmen und zugleich den Mitgliedern des Vereins meine besten Wünsche für sein Gedeihen und Wirken übermitteln zu wollen."

Diese Ergüsse strich Otto Hammann, damals Pressereferent im AA, einfach durch und schlug stattdessen vor: "Der Verein wird sicherlich sehr segensreich wirken und ich wünsche ihm Gedeihen und vollen Erfolg."

Erste Sitzung im Kaffeehaus Austria

Goldmann, damals vierzig Jahre alt, war der erste Vorsitzende. Er wohnte in der Dessauer Straße 19.

Dass die erste VAP-Generalversammlung im Berliner "Kaffeehaus Austria" abgehalten wurde, ist daher nicht verwunderlich. Der erste Vorstand bestand – abgesehen vom Vorsitzenden aus Österreich – aus einem Italiener, einem Briten, einem Amerikaner, einem Russen, einem Franzosen und einem Schweden.

Damals musste jedes Jahr ein anderer Vorsitzender gewählt werden, damit ja keine Nationalität zwei Mal hintereinander an der Spitze steht. Heute gilt diese Regel nicht mehr.

Vorstand mit Vergnügungsausschuss

Drei weitere Mitglieder bildeten sogar einen "Vergnügungsausschuss", dessen Aufgabe es war, "den geselligen Verkehr anzubahnen und zu pflegen". So dienten Lunches mit Diplomaten, Bierabende mit Politikern oder Tanztees mit Künstlern dem Netzwerken. Dieser Ausschuss ist im Laufe des Jahrhunderts leider abhanden gekommen.

Damals betrug der Jahres-Mitgliedsbeitrag 20 kaiserliche Mark. Heute zahlen die Kollegen 240 Euro pro Jahr und können dafür an zahlreichen – exklusiv für die VAP-Mitglieder organisierten – Gesprächen mit Spitzenpolitikern, Unternehmensführern und Experten, manchmal auch an Exkursionen teilnehmen. Ob sie vor 110 Jahren auch schon eigene Termine mit politischen Funktionären bekamen, ist mir nicht bekannt.

Schikanen in der NS-Zeit

In der NS-Zeit gab es etliche Schikanen durch Propagandaminister Joseph Goebbels gegen den VAP. Korrespondenten wurden bespitzelt und eingeschüchtert, manche wegen ihrer kritischen Berichterstattung ausgewiesen oder mit Informationen über ihr Privatleben erpresst, wohlwollender zu schreiben. Treffen von Korrespondenten mit Informanten wurden schwieriger und gefährlicher. Dennoch behielt der VAP seine Unabhängigkeit.

Der weitaus größte Teil der Deutschland-Korrespondenten aus der freien Welt verurteilte die Vorgänge im nationalsozialistischen Gastland. Doch warnende Berichte vieler Korrespondenten über die Entwicklung in Deutschland wurden anfangs in vielen Heimatredaktionen nicht genug Ernst genommen. Zum Teil konnten sich Korrespondenten mit ihren Berichten aus dieser Zeit einen großen Namen machen. Einige spielten aber auch eine fragwürdige Rolle.

Zwischen 1945 und 1951 ruhte der Verein. Danach – Deutschland war inzwischen in zwei Staaten geteilt – mussten zwei voneinander unabhängige Vereinigungen gegründet werden: der bundesweite VAP am Regierungssitz Bonn und der zweite, der seinen Sitz in Berlin hatte und auch Auslandsjournalisten offenstand, die von Westberlin aus über die DDR berichteten.

Mitteilung an Konrad Adenauer, Bundeskanzlei Bonn

1951 wurde demnach in Bonn der "Verein der Ausländischen Presse in Deutschland e.V." gegründet. Am 13. September 1951 schrieb der Amerikaner Emlyn Williams einen Brief "An S.E. Herrn Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, Bundeskanzlei Bonn".

Darin zeigte er die Gründung wie folgt an: "Euer Exzellenz! Der Unterzeichnete gibt sich die Ehre, mitzuteilen, dass bei einer Versammlung von Auslands-Journalisten in 'La Redoute', Bad Godesberg, am 29. Januar 1951 einstimmig die Bildung des 'Vereins der Ausländischen Presse in Deutschland e.V.' beschlossen worden ist. Der Sitz des Vereins ist Bonn."

"Sobald es die Verhältnisse erlauben"

Mit Ausblick auf eine mögliche Wiedervereinigung hieß es damals schon: "Es besteht die Absicht, den in Bonn neugebildeten Verein der Auslands-Journalisten, sobald es die Verhältnisse erlauben, die Nachfolgeschaft des 'Vereins der Ausländischen Presse zu Berlin e.V.' antreten zu lassen."

Im ersten Vorstand wurden vier Plätze offen gehalten – "in der Hoffnung und Erwartung, dass diese Plätze durch je zwei Vertreter der Auslands-Korrespondenten in Berlin bzw. Frankfurt besetzt werden".

70 Korrespondenten aus sieben Ländern hatten sich bei der Gründung versammelt. Die Auslandspresse war zusammen mit der Bundespressekonferenz (die für die deutschen Parlamentskorrespondenten zuständig ist) für die nächsten vier Jahrzehnte in Bonn etabliert.

Unbekannter General im unbekannten Bonn

Das kleine Bonn bereitete der Auslandspresse anfangs Probleme. Kein Amerikaner, kaum ein Europäer konnte mit dem Städtchen am Rhein etwas anfangen. Ihre Berichte fingen stets mit "Bonn (West Germany)" an. Erst Anfang der sechziger Jahre konnte man auf diesen Zusatz verzichten.

Auch die zitierten Pressestimmen aus dem Bonner General-Anzeiger sorgten gelegentlich für internationale Verwirrung. Dieser vermeintliche General war in den Staatskanzleien der Welt unbekannt. Man wusste nicht, wie seine Meinung einzuschätzen sei.

Das Bonner Provisorium

Anfangs wohnten nur wenige der Auslandsjournalisten in Bonn. Die Wohnmöglichkeiten reichten nicht aus. Und niemand wusste, wie lang das Bonner Provisorium anhalten würde. Viele Engländer waren in Düsseldorf, Amerikaner in Frankfurt und Franzosen in Koblenz ansässig.

1955 kamen sowjetische Korrespondenten nach Bonn. Auch sie wurden in den VAP aufgenommen, allerdings erst nach längeren Diskussionen.

Im Schatten der Chinapolitik

Seine Unabhängigkeit musste der VAP immer wieder demonstrieren. Als die Chinapolitik der USA und anderer Nationen eine Wende erfuhr, sollte der VAP die Korrespondenten aus der Republik China (Taiwan) ausschließen, bevor die Journalisten aus der Volksrepublik China beitreten würden. Doch der VAP beugte sich diesen Forderungen nicht. Nach langem Tauziehen akzeptierten die von Peking entsandten Korrespondenten schließlich ihre Kollegen aus Taiwan und traten dem VAP bei.

DDR-Korrespondenten: Inland oder Ausland?

Besonders heftige Diskussionen gab es um die Mitgliedschaft der Korrespondenten aus der DDR. In der Bundespressekonferenz der bundesdeutschen Parlamentsberichterstatter wollten die DDR-Journalisten keinesfalls mitmachen; das wäre mit dem Selbstverständnis der DDR als souveränes Ausland unvereinbar gewesen.

Gegen einen Beitritt in der Auslandspresse gab es jedoch große Vorbehalte im Bonner Politikbetrieb: Deutsche in Deutschland als Auslandsjournalisten, BRD und DDR füreinander Ausland, das war in Bonn mit Blick auf das Ziel Wiedervereinigung nicht vorstellbar. Das Bundespresseamt akkreditierte die Journalisten aus der DDR daher nicht als Auslandskorrespondenten.

Werner A. Perger, Journalist aus Österreich, früher ebenfalls Korrespondent meiner Zeitung Die Presse, war damals Vorstandsmitglied im VAP und fand mit Hilfe des Grundlagenvertrags von 1972 einen Weg für die Mitgliedschaft der DDR-Kollegen im Verein der Ausländischen Presse.

Ausschluss um Mitternacht

Um Mitternacht des 2. Oktober 1990 mussten diese Kollegen jedoch den VAP verlassen. Denn um null Uhr am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, waren aus den Auslandskorrespondenten Inlandsjournalisten geworden. Für sie bedeutete der Beitritt zur BRD den Austritt aus dem VAP.

Einer der DDR-Korrespondenten, Horst Schäfer von der Ostberliner Nachrichtenagentur ADN, war 1990 sogar Mitglied des VAP-Vorstands. Er hatte für diese Position kandidiert und war von der Generalversammlung prompt gewählt worden, obwohl es einen Gegenkandidaten gab. An sich ein normaler demokratischer Vorgang – und dennoch ein Politikum.

Misstrauische Bundespressekonferenz

Am 2. Oktober musste er als Neu-Bundesbürger aus dem Vorstand ausscheiden. Ich war damals Vorsitzender des VAP; der historische Moment und die formelle Ausladung der DDR-Kollegen waren uns einen gemeinschaftlichen Sektumtrunk wert. In der letzten Vorstandssitzung mit Schäfer stießen wir auf das Ende eines VAP-Kapitels an und wünschten ihm und seinen Kollegen alles Gute für die Zukunft. Schäfer damals: "Der große Schmerz, dass mir die ganze DDR abhanden gekommen war, überlagerte den kleineren, nämlich den VAP verlassen zu müssen. Die Arbeit dort hat mir Spaß gemacht, ich war auch ein wenig stolz darauf."

In der Bundespressekonferenz wurden die DDR-Journalisten allerdings nicht automatisch als Mitglieder übernommen. Es gab keine Sonderregelung für sie. Sie mussten sich um die Mitgliedschaft neu bewerben. Das empfanden viele als demütigend.

Mauerfall und Weltpresse

Nach dem Fall der Mauer schnellte die Zahl der Mitglieder in die Höhe. Die Wiedervereinigung rückte Deutschland in den Mittelpunkt des Weltinteresses. Viele Medienhäuser schickten Berichterstatter nach Bonn und Berlin, andere stockten ihre bestehenden Korrespondentenbüros auf. 1991, als die "Mini-UNO" in Bonn ihren 40. Geburtstag feierte, waren knapp 500 Journalisten aus 66 Ländern Mitglied des VAP. Später pendelte sich die Zahl wieder bei zirka 420 ein.

Verblüffende Umfrage: Bonn oder Berlin

Ich ließ damals die Bonner Büroleiterin Marion Hoffmeyer eine Umfrage unter den Korrespondentenkollegen machen, wie wohl die Hauptstadtentscheidung und die Regierungssitzfrage ausgehen und was sie persönlich bevorzugen würden. Das Ergebnis war für mich als Berlin-Befürworter verblüffend: Die Mehrheit der Bonner VAP-Mitglieder erwartete, dass die Hauptstadtentscheidung des Bundestags zugunsten Bonns ausgehen würde. Und ebenfalls die Mehrheit der Korrespondenten votierte auch persönlich für den Verbleib in Bonn. Sie sollten sich irren.

Berliner VAP-Filiale

Für die zunehmende Arbeit in Berlin eröffnete ich für den Bonner Bundes-VAP ein eigenes Filialbüro in Berlin – in jenem Gebäude des Internationalen Pressezentrums der DDR (IPZ) in der Mohrenstraße, in dem Günter Schabowski am 9. November 1989 seine legendäre Mauerfall-Pressekonferenz abgehalten hatte.

Diese Filiale war nötig geworden, weil die Zusammenarbeit mit dem Berliner VAP zunächst nicht einfach war. Erst zum Regierungsumzug 1999 – zehn Jahre nach dem Mauerfall! – vereinigten sich die beiden Verbände zu einem einzigen VAP, der natürlich seinen Sitz in Berlin nahm.

450 Kollegen, die Hälfte aus Westeuropa

Von den insgesamt 450 Kollegen arbeiten zur Zeit rund 330 Mitglieder in Berlin, 20 sitzen in Bonn, knapp vier Dutzend in Köln oder Düsseldorf, 45 in Frankfurt am Main (mit Schwerpunkt Finanzpolitik und Börsengeschehen), einzelne auch in München und anderen Städten.

Die Hälfte der Auslandsjournalisten arbeitet für westeuropäische Medien, gefolgt von den USA und Asien, speziell Japan. Manche Korrespondenten sind nicht nur für Deutschland, sondern gleich für halb Europa zuständig. Enttäuschend ist die Zahl der osteuropäischen Berichterstatter, und ganz wenige Kollegen berichten an lateinamerikanische und afrikanische Medien. Zum Beispiel haben so große Länder Pakistan oder Nigeria mit jeweils fast 200 Millionen Einwohnern keinen einzigen Medienvertreter, der aus Berlin berichtet.

Trend zu Freien

Regine Standke, bis Ende 2019 Büroleiterin des VAP, registrierte seit Jahren bei den Neuanmeldungen, wie sich die Arbeitsbedingungen der Korrespondenten ändern. Waren früher fast alle bei dem Medium, von dem sie nach Deutschland entsandt wurden, angestellt, sind es heute immer mehr freie Mitarbeiter. Der typische Freie ist durchschnittlich jünger als der typische Festangestellte. Das kommt die Verlage billiger. Und aus welchem Land sie kommen, ist zunehmend zweitrangig. Standke nennt Franzosen, die für britische, Briten, die für amerikanische und Amerikaner, die für britische Medien schreiben oder senden.

Auslandspresseball mit Kabaret ist passé

Der Auslandspresseball, den der VAP alljährlich im Amerikanischen Club in Bonn veranstaltet und der sich als sympathischer kleiner Bruder des Bundespresseballs etabliert hatte, überlebte den Berlin-Umzug des Hauptstadtbetriebs ebenso wenig wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts der VAP-Vergnügungsausschuss.

Das ist schade, da damit auch die kabarettistischen Einlagen verschwanden. Auf dem Auslandspresseball in Bonn hatten Kollegen, die durch Werner Höfers legendären "Internationalen Frühschoppen" durchaus prominent geworden waren, genau diese erfolgreiche TV-Talkshow nachgespielt. Don Jordan, über Jahrzehnte hinweg der Parade-Amerikaner schlechthin, betätigte sich als Moderator und stellte den Kollegen provozierende Fragen, die sie in ihren diversen Akzenten schlagfertig beantworteten. Dabei wurden die deutsche Innenpolitik und die internationalen Beziehungen auf die Schaufel genommen.

Tanzen? Tombola? Improvisiertes Kabaret? Heute ebenso undenkbar wie Höfers damaliger echter Internationaler Frühschoppen, wo im Fernsehstudio Wein getrunken und Zigaretten geraucht wurden.

Der Vorstand: von Frankreich über Ukraine bis Iran

Der aktuelle Vorstand besteht aus dem langjährigen Vorsitzenden Pascal Thibaut (Frankreich), Cornelia Günther (Großbritannien), Georgios Pappas (Griechenland), Natalia Fiebrig (Ukraine), Birgit Baumann (Österreich), Rob Savelberg (Niederlande) und Oliver Towfigh Nia (Iran).

Ob sich unsere Nachfolger im Jahr 2106 noch auf den 200. Geburtstag des VAP vorbereiten dürfen? Vermutlich gibt es dann den Beruf des klassischen Korrespondenten längst nicht mehr. Niemand weiß, wer einst welches Deutschland-Bild malen wird. Vielleicht Robot-Journalisten.

Ewald König

Weitere Fragen über Auslandskorrespondenten und den VAP beantwortet gerne:

das Berliner Korrespondentenbüro Ewald König (koenig@korrespondenten.com)

oder der VAP selbst (info@vap-deutschland.org)

Statements

"Die ausländischen Korrespondenten bringen ihre Perspektive und die Art zu fragen aus ihren jeweiligen Heimatländern mit, und diese können erfrischend anders sein als die der hiesigen Medienszene."

Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 100. Geburtstag des VAP

"Die Deutschen beschäftigen sich viel mit sich selbst und möchten deshalb gerne von uns ausländischen Journalisten wissen, wie sie von außen wahrgenommen werden."

Pascale Hughes, Korrespondentin für Le Point (Frankreich) und Tagesspiegel-Kolumnistin

"Den Mitgliedern des Vereins der Auslandspresse ist eines gemeinsam: Sie alle sind Botschafter Deutschlands. Ihre Analyse darüber, was die Bundesrepublik umtreibt, formt das Bild, das die Welt von uns hat. Sie 'übersetzen' Deutschland, machen unser Land ihrer Leserschaft im Ausland verständlich."

Frank-Walter Steinmeier, damals Außenminister, zum 100. Geburtstag des VAP im Jahr 2006

Die Bundesrepublik und insbesondere die Bundeshauptstadt können sich glücklich schätzen, in der Welt durchweg eine "gute Presse" zu finden, weil die Welt gute Journalisten nach Deutschland schickt.

Werner Höfer, Moderator des Internationalen Frühschoppens, 1981 (Mit "Bundeshauptstadt" war noch Bonn gemeint)

Es ist durchaus nicht gleichgültig, wie uns die Welt sieht. Denn wie uns die Welt sieht, so wird sie uns einschätzen und behandeln.

Willy Stiewe, Autor des Buches "So sieht uns die Welt – Deutschland im Bild der Auslandspresse", 1933

Die deutschen Verantwortlichen, deren Land international stets an Bedeutung gewinnt, sollten in ihrer Medienarbeit wie in der Innenpolitik nicht nur kurzfristige Ziele im Auge haben, sondern berücksichtigen, dass die Auslandspresse in ihrer notwendigen Unabhängigkeit Teil der deutschen Außenpolitik ist.

Pascal Thibaut, Korrespondent von Radio France Internationale (FRI) und langjähriger Vorsitzender des VAP

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